Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Pfungstadt auf die Anfrage der Pfungstädter Woche zur Ausgabe KW30/2021

Laut Programm lehnen die Grünen den Hessentag ab, auch wegen der Verunreinigung und Verdichtung wichtiger Agrarflächen durch den Parkplatzbau. Das „auch“ deutet auf weitere Gründe hin, welche sind das?
Gerade die Agrarflächen sind wertvoll und schützenswert. Sie müssen schon jetzt, nach Ende der aktuellen Ernte, umgebrochen, geglättet und mit Gras eingesät werden, um eine stabile Bodenfestigkeit zu erreichen. Sie stehen also bereits im Jahr 2022 nicht mehr zur Lebensmittelgewinnung und als potentielle Insektennahrung zur Verfügung. Zudem beanstanden wir die zusätzliche CO2-Belastung. Es soll Parkraum für 40.000 Pkw/Tag geschaffen werden. Bei einer durchschnittlich angenommenen An- und Abfahrt von 50 km entsteht dadurch eine zusätzliche CO2 Belastung von ca. 256 t / Tag (bei einem durchschnittlichen Pkw beträgt die Emission 128 g / km), ohne Reisebusse und zusätzlichen Infrastruktur-Verkehr. Ein entlastendes ÖPNV-Konzept, welches die erhofften Besuchermassen neben dem PKW-Verkehr zufriedenstellend befördern kann, fehlt derzeit gänzlich. Die Aussage, dass die bestehenden Verbindungen ausreichend seien, ist weit an der Realität vorbei. Sorge bereitet uns auch die zusätzliche Belastung der Anwohner durch Lärm, unrechtmäßig abgestellte Fahrzeuge und andere unerfreuliche Randerscheinungen. Wer schon zu Zeiten der 3-tägigen Kerb stark belastet wird, wird dies durch die 10 Tage Hessentag vermutlich erheblich mehr.
Immer wieder wird der Mehrwert für die Stadt und die zusätzlichen Einnahmen betont. Beispielsweise beim derzeitigen Angebot von Übernachtungsplätzen in Pfungstadt scheint diese Aussage eher  optimistisch. Es steht zu befürchten, dass sich die Bettenzahl in Pfungstadt bis zum Hessentag nicht signifikant erhöht. Nutznießer der Übernachtungen rund um den Hessentag sind dann die bestehenden Übernachtungsbetriebe in den Nachbarkommunen.
Ein Kritikpunkt sind auch die Kosten des Hessentages. Das neue Finanzkonzept sagt, was alles noch nicht bei den bisherigen Kostenaufstellungen enthalten ist, z.B. Erstellung und Implementierung eines Verkehrs- und eines Nachhaltigkeitskonzeptes, Kosten für ökologische Maßnahmen, Veranstaltungstechnik, Marketing u.v.m.. Nicht enthalten ist auch ein Ansatz für die Umsatzsteuer und die Kosten für die Arbeit der städtischen Bediensteten – das kann teuer werden! Sind denn in der Stadtverwaltung überhaupt noch personelle Ressourcen für den Hessentag vorhanden? Wer erledigt die regulären Aufgaben unserer Stadtverwaltung und der großen Herausforderung, das Schwimmbad neu zu bauen? Die angekündigten Zuschüsse für geplante Infrastrukturmaßnahmen gibt es auch ohne den Hessentag, immer mit auch entsprechender Eigenbeteiligung der Stadt. Diese Kosten sind ebenfalls noch nicht eingerechnet.
Die Mehrheit der Bürger in der Stadt scheint den Hessentag zu wollen, macht diese Ablehnung der Grünen die Fraktion nicht unbeliebt? Wie würden Sie mit dem Vorwurf umgehen, die Grünen seien eine „Spaßbremse“?
Zum Hessentag gab es leider keine Bürgerbefragung, diese wurde vom Bürgermeister abgelehnt. Nach unserer Beobachtung und Rückmeldung aus den Vereinen sehen die Pfungstädter:innen den Hessentag mehrheitlich eher kritisch, angesichts der Ausgaben, drohender Schulden und des zusätzlichen Arbeitsaufwandes nicht nur bei der Stadtverwaltung. Wir werden nicht 10 Tage Party haben, sondern 14 Tage Dauer-Arbeitseinsatz. Viele Pfungstädter Bürger:innen werden hierfür große Teile ihres Jahresurlaubs einsetzen müssen - ohne die nötige Erholung und ohne einen nachhaltigen Effekt für Pfungstadt.
Geht man davon aus, dass der Hessentag eine kulturelle Veranstaltung ist, wie passt das zusammen mit dem Wahlprogrammpunkt, dass Kultur in der gesamten Vielfalt in Pfungstadt zu erhalten, zu unterstützen und zu fördern sei?
Wir haben in Pfungstadt das Phungo-Familienfestival als lokales Fest mit einer Dauer von 10 Tagen in den Sommerferien. Wir freuen uns sehr, dass es dieses Jahr wieder mit einem gut durchdachten Hygiene- und Abstandskonzept stattfinden wird. Es verursacht weder 40.000 Kfz am Tag noch mindestens 2,3 Mio € städtische Schulden, sondern ist ein niederschwelliges lokales Angebot, das sehr gut angenommen wird. Hessentag heißt für die Vereine vor allem zusätzliche Arbeit ohne einen nachhaltigen Effekt auf das kulturelle Angebot in Pfungstadt. Wir möchten hingegen Vereine und Initiativen ermuntern, ihre Festivitäten auszuweiten und regelmäßig anzubieten. Daneben möchten wir den Bauernmarkt wiederbeleben und die Kerb und den Weihnachtsmarkt als Fest von und für Pfungstädter:innen fördern. Außerdem werden wir uns dafür einsetzen, dass die bereits bestehenden kulturellen Einrichtungen, wie die Bücherei und das Museum, endlich wieder in angemessenen und baulich einwandfreien Räumen arbeiten können.
Sie erhoffen sich, dass durch den Bau des neuen Schwimmbads der Neubau von privaten Pools und damit der Wasserverbrauch deutlich reduziert werden soll. Wie sehr fallen private Pools im Vergleich zum Wasserverbrauch eines großen Schwimmbads ins Gewicht?
Erheblich. Für das neue Pfungstädter Bad mit 25 m Becken werden für eine Füllung ca. 1.000 m³ benötigt. Dies entspricht im Gegenzug der Menge von 30-50 Popup-Pools oder 10 festen Pools mit 5x10 m Wasserfläche. Jedoch werden deutlich mehr Menschen das öffentliche Schwimmbad nutzen können, somit ist das Wasservolumen pro Nutzer erheblich geringer, als bei Anlage privater Pools. Mit den Nebenbecken, Duschen, Wassertausch, Reinigung und Sauna wird der Jahresverbrauch des neuen Bads im niedrigen 5-stelligen m³ Bereich liegen. Durch die Anlage der privaten Pools, noch dazu eine teure private Investition, ist für die gesamte Stadt von einem mehrfachen jährlichen Wasserbedarf auszugehen.
Ein weiterer Effekt ist die Belastung des Rohrnetzes durch die Füllung privater Pools. Die Verteilleitungen in den Wohngebieten sind auf den normalen Verbrauch ausgelegt, das Füllen, womöglich noch mehrerer Pools in einem Quartier auf einmal, stellt einen hohen Verbrauchsfall dar und kann für Nachbarn in der Umgebung mit einem geringeren Druck oder braun verfärbten Wasser am Hahn einhergehen. Die Leitungen zum Schwimmbad sind hingegen so groß, dass dieses Risiko ausgeschlossen ist. Darüber hinaus wird die Füllung des Bades professionell begleitet, sodass die Belastung für unser Wassernetz gering bleibt.
Hinzu kommt, dass die privaten Pools meist aufgrund ihrer im Verhältnis kleinen Fläche "nur" zur Abkühlung genutzt werden können. Ein öffentliches Bad hingegen bietet so viel mehr: die so wichtige Schwimmschule für die Kleinsten und alle anderen Nichtschwimmer, Möglichkeiten zum ortsnahen Schulschwimmen ohne stundenlange Transferfahrten ins baldige Mittelzentrum Weiterstadt, Trainings-  und  Wettkampfmöglichkeiten für unsere Sportvereine, einen Treffpunkt für alle Generationen, abgerundet durch den Außenbereich und das Wellness-Angebot der Sauna. Das Freibad bietet allen Kindern und Jugendlichen von Familien, die nicht in Urlaub verreisen, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in den Sommerferien.
Kurz gesagt: ein hochattraktives Freizeitangebot für alle Pfungstädter:innen und viele Besucher:innen aus der Umgebung, damit bestes Standortmarketing für Wohnen und Gewerbe und einem Mittelzentrum angemessen.
Sie wollen den Bürgern als „Alternative“ zum Silvesterfeuerwerk eine zentrale Lasershow anbieten. Heißt das, es soll beides parallel stattfinden und welchem Zweck soll das dienen? Oder wollen Sie das Silvesterfeuerwerk abschaffen und falls ja, warum?
Seit Jahren wird über individuelles Silvesterfeuerwerk kontrovers diskutiert. Zwei Aspekte stehen bei der Diskussion im Vordergrund: die Umwelt- und Klimabelastung und die Verletzungs- und Brandgefahr. In diesem Zusammenhang muss auch über eine Feuerwerksverbot im historischen Innenstadtbereich und den historischen Ortskernen diskutiert werden. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, alternative Anreize zum Individualfeuerwerk zu bieten. Ein zentrales professionelles Feuerwerk oder alternativ eine Lasershow reduziert deutlich die Belastungen für Mensch, Tier und Umwelt. Langfristig wird es zu einer Reduzierung des Individualfeuerwerks führen.
Im Wahlprogramm steht, es solle keine abgeschlagenen Christbäume mehr in der Stadt geben, stattdessen sollten an zentralen Punkten Tannenbäume gepflanzt werden, die in der Weihnachtszeit beleuchtet oder geschmückt werden, sonst aber stehen bleiben. Wie soll das konkret aussehen? Wo sollen diese Bäume in welcher Größe gepflanzt werden?
Wir denken dabei an die Pflanzung einzelner, mittelgroßer Tannenbäume an öffentlichen Plätzen wie z.B. der Akazienanlage, die Carlo-Mierendorff-Anlage, dem Generationenpark, im Friedenspark oder auch auf den Sportanlagen der heimischen Vereine. Diese festlich geschmückten Bäume können in der Adventszeit zu Begegnungen "unter dem Tannenbaum" einladen.
Sie wollen sich für mehr Begegnungsmöglichkeiten für alle Generationen in Pfungstadt einsetzen, etwa durch Innenstadtmobiliar als Minispiel- oder Sitzinseln an geeigneten Plätzen. Gibt es dafür schon Pläne? Wie viele dieser Begegnungsmöglichkeiten soll es geben und wo?
Ein guter Anfang ohne unsere politische Beteiligung ist in der Akazienanlage umgesetzt worden. Im Rahmen der Innenstadtverdichtung werden wir darauf achten, dass zwischen den verdichteten Flächen noch Platz für Grünanlagen und Begegnungsflächen eingeplant werden. Dies soll bei alle Neubau-Vorhaben berücksichtigt werden.
Im Wahlprogramm heißt es: „Wir wollen einen leistungsstarken städtischen Betriebshof, damit die Stadt Pfungstadt ihrer Aufgabe, den öffentlichen Raum sauber zu halten, nachkommen kann“. Bedeutet das, Sie halten den Betriebshof für nicht leistungsstark? Falls ja, warum wäre das so und wie wollen Sie das verbessern?
Wir haben einen leistungsfähigen Betriebshof. In der vergangenen Legislaturperiode gab es von verschiedenen Fraktionen Bestrebungen, das Leistungsspektrum massiv einzuschränken und extern zu vergeben. Das gibt es mit uns nicht. Wir stehen hinter dem Betriebshof so wie er ist.

 

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